„Vom hohen Genießen“

„Vom hohen Genießen“, so kündigt Gusto Gräser eine „Botschaft für Lebenshungrige“ an, einen Vortrag, den er diesen Donnerstag halten will. Gusto Gräser weilt seit einiger Zeit in Hamburg und ist gewiß schon manchem auf der Straße durch seine seltsame Erscheinung und Tracht – er geht barhäuptig mit lang herabwallendem braunem Haar, in chitonartigem Gewand, auf Sandalen, Brust und Arme frei – aufgefallen. Mancher hat auch wohl gedacht, in ihm einen Naturmenschen à la „gustaf nagel“ zu sehen. Dem steht Gräser aber völlig fern. Er hat dem Dichter Johannes Schlaf einmal erzählt, wie er sich in verschiedenen Berufen versucht habe, bis er „schließlich seinen Beruf zum Dichter“ und noch besser: seinen Beruf. Mensch und nichts als Mensch zu sein, erkannt habe. Er pries die Not, Bedürfnislosigkeit und naturgemäßes Leben als Urheber jeden wahren Lebens und Glückes…..“ Der Vortrag Gusto Gräsers findet Donnerstag abend in Rehbehns Gesellschaftshaus statt.

Neue Hamburger Zeitung, 16. Jahrg., 29. November 1911, Nr. 560. Online: „Vom hohen Genießen“.

"Vom hohen Genießen“