Die strenge Heidelbeere

Daß auch das Restaurant eine „moralische Anstalt“ mit erzieherischen Tendenzen sein kann, zeigt ein vegetarisches Speisehaus, das ein Herr [[Vladimir Straskraba|Straskraba]] in Aceona im Tessin unter dem Namen Heidelbeere betreibt. Aus den Speisekarten findet sich, wie man uns mitteilt, am Fuß folgende Bemerkung: „Mode-Affen, Juwelen-Pfauen, Kasten-, Titel-, Geld-, Ordens- und andere Protzen finden in der Hekdelbeere keine günstigen Daseinsbedinguiigen. Parfümierten Wiedehopfen, Nikotin- und Alkohol-Sklaven ist der Eintritt nur in desinfiziertem Zustande gestattet.“ – Ist das human von dem strengen Wirt zur Heidelbeere, die armen Nilotin- und Akovhol-Silaven ihr Ausschlußverbot erst auf der Speisekarte lesen zu lassen? Wenn ihnen ob der leckern Erbsenkoteletten und Bohnen-Rumpsteaks schon das Wasser im Munde zusammenläuft!

Neue Hamburger Zeitung, 17. Jahrg, 12. Oktober 1912, Nr. 480. Online: Die strenge Heiderlbeere.