1917

Januar

22. Januar Theodor Reuss veröffentlicht in Ascona ein Manifesto der Anational Grandloge & Mystic Temple: „Verita Mystica“ und eine überarbeitete Version der Constitution of the Ancient Order of Oriental Templars .O.T.O. Ordo Templis Orientis. Gleichzeitig erfolgt die Einladung zum Anational Vongress, unterzeichnet von Isabelle Adderley, Monte Verità, Ascona. Diese richtet sich insbesondere an Freimaurer, Theosophen und Mystiker (Mystics).

Mai

Ernst Bloch beendet im Haus Neigeboren in Minusio sein Werk Geist der Utopie, das im Jahr darauf erscheint.

14. Mai In einem Brief aus Ascona versichert Isabelle Adderley, Sekretärin des O.T.O., William Hammond der Grand Lodge in London, der sich für den Kongress interessiert: „A number of organisations have already appointed delegates to attend the Congress.“

Juli

Spione auf dem Monte Verità?

Am 16. und 17. Juli berichteten verschiedene, insbesondere Westschweizer Zeitungen über die Verhaftung von Spionen, die für Deutschland gearbeitetet haben sollen, in Lugano, Locarno und auf dem Monte Verità. In der Folge veröffentlichte La Sentinelle eine Zuschrift von Henri Oedenkoven, in der dieser betont, dass keine Festnahmen auf dem Monte Verità selbst erfolgt seien, möglicherweise aber in Ascona.

In den Berichten werden namentlich erwähnt:

  • Lama, Sohn eines verstorbenen bayerischen Zentrumsabgeordneten, Korrespondent der Budapester Zeitung Az Est.
  • Gunther, Priester und Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung.
  • Hans Barth, Korrespondent des Berliner Tageblatts.1
  • Kaul, der als Inhaber der Internationalen Unabhängigen Telegraphenagentur (Juta) in Zürich bezeichnet wird (einer Firma, die sich sich seit 1913 in Liquidation befand).
  • Altenrath ehemaliger Arbeiter einer Fabrik in Gallerato.
  • Kappenberger, Korrespondent der Kölner Zeitung.
  • Rudolf von Gerlach.2

Arrestations d’espions allemands
La Sentinelle, 16. Juli 1917.

Arrestations d’espions allemands au Tessin
Journal de Genève, 16. Juli 1917.

Arrestations d’espions allemands au Tessin
L’Impartial, 17. Juli 1917.

Arrestations d’espions allemands
Feuille d’Avis de Neuchâtel, 17. Juli 1917.

Eine Spionageaffäre in Lugano
Berner Intelligenzblatt, 17. Juli 1917.

Une organisation d’espionnage allemande
Le Temps, 18. Juli 1917.

L’espionnage allemand
L’Homme enchaîné, 18. Juli 1917.

Une mise au point
Henri Oedenkoven, La Sentinelle, 20. Juli 1917.

L’affaire d’espionnage du Tessin
Journal de Genève, 21. Juli 1917.

August

Congrès Coopératif Anational und Sonnenfest

Vom 15. bis 25. August findet auf dem Monte Verità der Congrès Coopératif Anational mit dem Sonnenfest statt. Das Sonnenfest stellt einen Wendepunkt in der Geschichte des Monte Verità dar, war es doch der Anlass oder zumindest mit ein Anlass zum Bruch zwischen Ida Hofmann und Henri Oedenkoven, in deren Besitz das Kurhaus und die Kolonie auf dem Monte Verità sich befanden, und dem Tänzer Rudolf von Laban und seiner Schule, die seit 1913 in den Sommermonaten auf dem Monte Verità waren, sowie Theodor Reuss und dem O.T.O.

September

Ein Bekenner wahren Menschentums (Gusto Gräser)
W. Ad. J., Der Schweizer Freidenker, 15. September 1917.

November

Ueber Okkultismus, Hieratik und andere seltsam schöne Dinge
Hugo Ball, in: Berner Intelligenzblatt, 15. November 1917.

Dezember

3. Dezember Anna Fischer-Dückelmann stirbt in Ascona. Anna Fischer-Dückelmann war die Tochter des österreichischen Militärarztes Friedrich Dückelmann. In Wien, wo sie ihre Jugendzeit verbrachte, lernte sie Arnold Fischer kennen, den sie 1896 in Graz heiratete. Zusammen zogen sie nach Frankfurt, wo Arnold Fischer als Redakteur beim Frankfurter Tageblatt arbeitete. Ab 1880 war sie Herausgeberin der Zeitschrift Volkswohl in Frankfurt/Main. 1890 zog sie mit ihrem Mann und den drei Kindern nach Zürich, um Medizin zu studieren. 1896 promovierte sie in Zürich. Im selben Jahr wurde sie Assistenzärztin in der Bilz’schen Naturheilanstalt in Radebeul, im Oktober eröffnete sie eine Praxis in Dresden, Von 1897 bis 1914 führte sie eine Arztpraxis für Frauen- und Kinderheilkunde in Loschwitz bei Dresden. 1913 erwarb sie ein Grundstück auf dem Monte Verità, auf dem sie nach dem Krieg ein Sanatorium errichten wollte.

30. Dezember In der Neuen Zürcher Zeitung erscheint der Beitrag Soll Friede werden? von Hermann Hesse.

  1. Vgl. den Eintrag Hans Barth in der deutschsprachigen Wikipedia. []
  2. Vgl. den Eintrag Rudolf von Gerlach in der deutschsprachigen Wikipedia. []