Auction Diefenbach

In der Auctionshalle des Wiener Exekntionsgerichtes wurden vorige Woche die Bilder des Malers K. W. Diefenbach zwangsweise versteigert. Das ist wiederum eine Phase, allerdings eine ziemlich prosaische, im Erdenwallen des seltsamen, unseres Wissens jetzt in Italien lebenden Künstlers. Das Wiener Extrablatt be richtet über die Versteigerung: „Die Auktionsliste enthielt 787 Bilder, doch waren bereits mehr als 450 Bilder und Skizzen im freihändigen Verkaufe an den Mann gebracht worden und da durchwegs annehmbare Preise erzielt wurden, konnte der Concursmasse eine ansehnliche Summe zugeführt werden, [sic!] Aber was letzhin dem Publicum vorgewiesen wurde, waren meistens Bilder von der Hand seiner Jünger wie Fidus, Friedrich und Paul von Spaun gezeichnet, von Diefenbach wohl entworfen, doch nicht vollendet. Als erstes Bild gelangte Nr. 760 „Feenreigen“ benannt, zur Licitation. Nur langsam entschließt man sich, ein Angebot zu machen. „Jedes Anbot wird angenommen!“ ruft der Voll streckungsbeamte. Niemand meldet sich; der Beamte ist genöthigt, seine Aufforderung zu wiederholen. „Fünf Kronen!“ lautet das erste Angebot. Schon will der Beamte das Bild abgeben, da erbarmt sich ein Herr aus der Menge und bietet 10 Kronen, endlich meldet sich bei sechzehn Kronen niemand mehr und um diesen Preis geht das erste Bild in den Besitz des Erstehers. Die nächsten Angebote bewegen sich zwischen 8 und 20 Kronen. Endlich gelangte das Colossalgemälde „Zu Gott empor“ zur Versteigerung und nun wurde die Bewegung unter dem Publicum größer. Trotzdem wurden für dieses Bild nur 75 Kronen erzielt, der höchste Betrag, der am Vormittag für ein Gemälde erreicht wurde. Die meisten Arbeiten wurden tief unter dem Schätzungspreise veräußert — viele erzielten nur den Preis von einer Krone. Erst nachmittags gelangten Werke von einiger Bedeutung zur Versteigerung, darunter der Schattenfries „Per aspera ad astra“, bestehend aus 34 Blatt, zusammen 6S Meter lang, welcher, längs der Galerie aufgehängt, vom Publiium [sic!] besichtigt werden konnte. Die gerichtliche Schätzung bewerthete den Fries auf 10.000 Gulden, doch wurden nur 450 Kronen geboten und der Concursmasseverwalter gab deshalb die Erklärung ab, dieses Angebot nicht annehmen zu können, da ihm von privater Seite bereits 4000 Kronen geboten wären. Das Publicum, welches anfangs den Vorgängen mit regem Interesse folgte, schien später ermdüet, nur hier und da licitierten einzelne Personen kronenweise in die Höbe, was häufig zu Scherzen unter den Umstehenden Anlass gab. Auch sonst war für den Humor, selbst bei diesem Anlasse und in diesen Räumlichkeiten gesorgt; so wusste der Amtsdiener nicht immer, in welcher Lage das Bild postiert werden sollte, und so oft dies der Fall war, wurde die Lachlust rege, da auch Bilder in verkehrter Lage einer „Idee des Meisters“ zu entsprechen schienen. Der Erlös des Tages dürfte 4300 Kronen nicht übersteigen.

Innsbrucker Nachrichten, 47. Jahrg., 1. März 1900, Nr. 48, S. 3-4 (Online).