Ein sogenannter „Naturmensch“ und Abhärtungsapostel

Ein sogenannter „Naturmensch“ und Abhärtungsapostel, Namens Gustav Nagel, der in Deutschland in phantastischem Kostüm herumgezogen ist und von Ort zu Ort die Neugierigen anlockte, denen er seine Photographie auf Ansichtspostkarten etc. verkaufte, hat sich bei der strengen Kälte beide Beine bis zu den Knieen erfroren und liegt schwer krank im Krankenhause zu Nebra am Harz. Barfuß und ohne Kopfbedeckung, nur mit einem bis an die Waden reichenden Leinwandkittel, der auf der Brust offen war, angethan, hatte er kurz vorher seinen Einzug in Freiburg an der Unftrut gehalten, um dort das Haus des Turnvaters Jahn aufzusuchen. Er hielt Ansprachen, aß dabei Obst, Mohrrüben, Schwarzbrot und trank eiskaltes Wasser. Um 10 Uhr öffnete er in dem kalten Tanzsaal sämtliche Fenster und legte sich in adamitischem Kostüm auf einen Strohsack, um Nachtruhe zu halten. Dabei hat er sich wahrscheinlich die Beine erfroren.

Grütlianer (Zürich), 50. Jahrg., 26. Januar 1901, Nr. 11. Online