Adolf Grohmann

Adolf Grohmann kam am 18. Februar 1856 in Wien zur Welt. Er war usprünglich Feldmesser und Ingenieur.1 Als Laie beschäftigte er sich theoretisch und praktisch mit Psychiatrie, Hypnose und Alkoholismus und veröffentlichte dazu verschiedene Aufsätze in Fachzeitschriften und Broschüren.

Zwischen 1877/79 und 1882/88 lebte Grohmann in Mexiko, wo er heiratete. 1889 kehrte er mit seiner Familie nach Europa zurück und liess sich zuerst bei Zürich in Wollishofen und Zollikon nieder, dann in Zürich. Dort arbeitete er als Modellbauer.2

Anzeige von A. Grohmann.

Anzeige von A. Grohmann, 1893.

Nachdem sich Grohmann selbst durch Gärtnerarbeit von einem Nervenleiden geheilt haben soll, so berichtet Auguste Forel und folgt damit einem beliebten Narrativ der Lebensreform, richtete er um 1893 in Zürich eine Anstalt für Beschäftigung von Nervenkranken ein.3

In der Einleitung zu seinem Aufsatz führt Forel aus:

Von der Erfahrung ausgehend, dass die Landarbeit den Geisteskranken am besten hülfe, und dass der normale Naturmensch nicht einseitig wie der Culturmensch arbeitet, sondern als Existenzbedingung eine Combination gespannter Aufmerksamkeit und Ueberlegung mit Muskelthätigkeiten stets bethätigt hat, dass er somit auch einer solchen bedarf, habe ich schon vor vielen Jahren versucht, schwerere Fälle von sogenannten Nervenhankheiten (Neuasthenie), d. h. von Psychopathien, mit derartigen Thätigkeiten zu behandeln.4

Die Idee des Naturmenschen und die Vorstellung von heilender Arbeit in freier Natur erklären Grohmanns Interesse am Monte Verità. 1902/03 lebte Grohmann in Ascona und konnte das Projekt aus nächster verfolgen. 1904 veröffentlichte er einen zweiteiligen Bericht und eine Broschüre. Es handelt sich dabei um die erste selbständige Veröffentlichung über den Monte Verità, die zudem von einem Aussenstehenden verfasst wurde. Nachdem 1906 Ida Hofmanns Rückblick Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung erschienen war, veröffentlichte er noch einmal einen zweiteiligen Aufsatz.

Der Schwachsinnige und die Gesellschaft

Der Schwachsinnige und die Gesellschaft

Bereits 1902 veröffentlichte Grohmann die Broschüre Die Kolonie Friedau, eine alkoholfreie Volksheilstätte. Sie enthält den Plan für eine alkoholfreie Kolonie unter ärztlicher Leitung, die “sozusagen ein verklärtes Landleben” bieten soll. Gedacht ist sie für Gesunde, Nervenkranke sowie beginnende oder genesende Alkoholiker. 1903 wurde ein Verein mit Adolf Grohmann als Sekretär zur Errichtung der Institution gegründet.5 Wie für seine eigene Institution gilt auch hier:

In frischer, würziger Luft, vor Ueberanstrengung verschont, werden sich Geist und Körper neu beleben, die Nerven werden erstarken, das Blut wird frischer durch die Adern ziehen und neuer Mut wird die Genesenden durchdringen.6

In einem Hinweis auf das Unternehmen wird über seine Bedeutung im Täglichen Anzeiger zu Bedenken gegeben: “Eine Nervenheilstätte ist in der gegenwärtigen nervösen Zeit allerdings nichts Ueberflüssiges mehr.”7

Anstalt für Beschäftigung von Nervenkranken

Die Anstalt für Beschäftigung von Nervenkranken wurde um 1893 von Adolf Grohmann eingerichtet.

1894 erschien unter dem Titel “Ländliche Arbeiten für Nervenleidende” in Der Grütlianer folgender Hinweis:

Civilingenieur Grohmann in Zürich V, Hegibachstraße 22, hat an Aerzte ein Cirkular versandt, in welchem er denselben mitteilt, daß er einen Gemüsegarten unterhalte, um Nervenleidenden und andern Privaten, die auf ärztliche Anordnung als Teil der Kur eine Beschäftigung im Freien haben sollen, das dazu nötige Land und Geräte zu bieten. Er beruft sich auf bereits gemachte Erfahrungen, auf die günstige Wirkung, welche gärtnerische Arbeiten auf Geist, Körper und Gemüt ausüben. Zum Ausfüllen der Zeit, welche die Patienten wegen schlechter Witterung nicht im Garten zubringen können, anerbietet sich Herr Grohmann, denselben Unterricht in der Tischlerei und im Zeichnen zu erteilen.8

Derselben Publikation ist 1896 rückblickend zu entnehmen:

In Zürich hat, von namhaften Aerzten unterstützt, Herr Ingenieur A. Grohmann, Zürich V, Hirslanden, vor drei Jahren eine Anstalt ins Leben gerufen, deren Eigenes darin besteht, daß Nervenkranke, denen Aerzte eine völlige Ausspannung von geistiger Arbeit oder der gewöhnlichen Berufsarbeit verordnen, eine zweckmäßige, den Gesundungsprozeß fördernde Befchäftigung finden. Die Arbeiten bestehen vornehmlich in Gärtner- und Tischlerarbeit und werden größtenteils im Freien vorgenommen.9

Und es wir lobend erwähnt: “Herr Grohmann hat bereits ganz bedeutende Erfolge erzielt.”10 Dies hatte auch schon Forel festgestellt und vermerkte: “Recht gute Resultate wurden bei schweren Fällen erzielt.”11

Suggestion durch Briefe

Suggestion durch Briefe

Wie Forel schreibt kombinierte Grohmann häufig seine Behandlung mit Suggestion.12

1899 veröffentlichte Grohmann die Schrift Technisches und Psychologisches in der Beschäftigung von Nervenkranken. Für Ärzte bearbeitet mit einem Vorwort des Leipziger Nervenarztes Paul Julius Möbius und J. Wildermuth (Verlag von Ferdinand Enke).

Veröffentlichungen

  • Meine kleine Anstalt für Beschäftigung von Nervenkranken, Zürich 1895.
  • Technisches und Psychologisches in der Beschäftigung von Nervenkranken. Für Aerzte bearbeitet, Stuttgart 1899.
  • Ein Fall von Hirntumor : aus der Klinik für Nervenkrankheiten des Herrn Prof. Mendel, Zürich 1901.
  • Die Kolonie Friedau, eine alkoholfreie Volksheilstätte, Zürich 1902.
  • Geisteskrank : Bilder aus dem Verkehr mit Geisteskranken und ihren Angehörigen, Leipzig 1902.

Beiträge in Zeitschriften

1906

Grohmann, Adolf

Neues über die Vegetarier-Ansiedelung in Ascona (Schluss) Artikel

Psychiatrisch Neurologische Wochenschrift, (25), S. 223-224, 1906.

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Grohmann, Adolf

Neues über die Vegetarier-Ansiedelung in Ascona Artikel

Psychiatrisch Neurologische Wochenschrift, (24), S. 213-216, 1906.

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1904

Grohmann, Adolf

Die Vegetarier-Kolonie in Ascona (Schluss) Artikel

Psychiatrisch Neurologische Wochenschrift, (43), S. 461-467, 1904.

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Grohmann, Adolf

Die Vegetarier-Kolonie in Ascona Artikel

Psychiatrisch Neurologische Wochenschrift, (42), S. 445-456, 1904.

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Grohmann, Adolf

Die Vegetarier-Ansiedelung in Ascona und die sogenannten Naturmenschen im Tessin. Referate und Skizzen Buch

Carl Marhold, Halle a. S., 1904.

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1903

Grohmann, Adolf

Ueber die Bezeichnung "Azteken-Typus" Artikel

Psychiatrisch Neurologische Wochenschrift, (39), S. 419-420, 1903.

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1902

Grohmann, Adolf

Irrenhaus und Bühne Artikel

Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen, 10 , S. 243-247, 1902.

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Grohmann, Adolf

Weiteres über "Suggestion durch Briefe" Artikel

Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen, 10 , S. 267-270, 1902.

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1901

Grohmann, Adolf

Ernstes und Heiteres. Erinnerungen im Verkehr mit Schwachsinnigen Buch

Zürich, 1901.

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Grohmann, Adolf

Um Recht und um Liebe. Komische Novelle Ausgangs der Revolutionszeit in Mexico. (Zur Erinnerung an einen fünfundzwanzigjährigen Frieden dem Pacificator Mexico's General Porfirio Diaz gewidmet) Buch

Verlag Melusine, Zürich, 1901.

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1900

Grohmann, Adolf

Der Schwachsinnige und seine Stellung in der Gesellschaft. Für Eltern und Lehrer Buch

Ed. Rascher (Meyer & Zeller's Nachf.), Zürich, 1900.

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Grohmann, Adolf

Suggestion durch Briefe Buch

Ed. Rascher (Meyer & Zeller's Nachf.), Zürich, 1900.

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Grohmann, Adolf

Einiges über Suggestion durch Briefe Artikel

Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen, 9 , S. 283-308, 1900.

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1899

Grohmann, Adolf

Einiges über Schwachsinnige Artikel

Zeitschrift für die Behand­lung Schwachsinniger und Epileptiker, 15 (4 u. 5), 1899.

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Grohmann, Adolf

Entwurf zu einer genossenschaftlichen Musteranstalt für Unterbringung und Beschäftigung von Nervenkranken. Commentar zur Broschüre "Ueber die Behandlung von Nervenkranken und die Errichtung von Nervenheilstätten" von Dr. P. J. Möbius Buch

Enke, Stuttgart, 1899.

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Grohmann, Adolf

Technisches und Psychologisches in der Beschäftigung von Nervenkranken. Für Ärzte bearbeitet. Mit einem Vorwort von Dr. P. J. Möbius in Leipzig und Sanitätsrat J. Wildermuth in Stuttgart Buch

Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart, 1899.

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1898

Grohmann, Adolf

Ueber Arbeitskuren für Nervenkranke Artikel

Zeitschrift für Krankenpflege, 1898.

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0000

Grohmann, Adolf

Ueber Arbeitskuren für Nervenkranke Artikel

Medizinisch-chirurgisches Centralblatt, 33 (13), 0000.

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Grohmann, Adolf

Ein Vorschlag für den Zeichnungsunterricht in der Volksschule Buch

Selbstverlag, 0000.

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Literatur

1903

Ganter,

A. Grohmann. Geisteskrank Artikel

Psychiatrisch Neurologische Wochenschrift, (23), S. 252, 1903.

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Schultze, Ernst

A. Grohmann. Geisteskrank. Bilder aus dem Verkehr mit Geisteskranken und ihren Angehörigen Artikel

Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, (32), S. 75, 1903.

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Schultze, Ernst

A. Grohmann. Die Kolonie Friedau, eine alkoholfreie Volksheilstätte Artikel

Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, (32), S. 75-76, 1903.

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1902

Pick, A

Bachtrag zu dem vorangehenden Aufsatze [Weiteres über "Suggestion durch Briefe"] Artikel

Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen, 10 , S. 271-273, 1902.

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Vogt, O

Grohmann, Technisches und Psychologisches in der beschäftigung von Nervenkranken Artikel

Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen, 10 , S. 62-63, 1902.

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1898

Monnier, Henri

Ueber die Behandlung von Nervenkranken und Psychopathen durch nützliche Muskelbeschäftigung : unter specieller Berücksichtigung der Erfahrungen im "Beschäftigungsinstitut für Nervenkranke" von A. Grohmann in Zürich Buch

Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig, 1898, (Diss. Univ. Zürich, 1898. Referent Auguste Forel.).

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Links

Adolf Arthur Grohmann, umfassende Informationen auf der Gusto-Gräser-Website.

  1. Vgl. Anzeige in Schweizerische Bauzeitung, Bd. 33, 6. Mai 1899, Nr. 18, Online. []
  2. Vgl. Anzeige in Schweizerische Bauzeitung, Bd. 21, 11. Februar 1893, Nr. 6, Online. []
  3. Auguste Forel, “Bemerkung zu der Behandlung der Nervenkranken durch Arbeit und zur allgemeinen Psychotherapie”, Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen, Bd. 10, 1902, S. 1. []
  4. Ebda. []
  5. Zürcher Wochen-Chronik, Nr. 30, 25. Juli 1903, S. 236, Online. Vgl. auch Illustrierte Schweizerische Handwerker-Zeitung, 23. Juli 1903, Nr. 17, S. 278, Online. []
  6. Ebda. []
  7. Täglicher Anzeiger (Thun), 26. Jahrg., 2. Juli 1902, Nr. 154, S. 3 Online. []
  8. Der Grütlianer, 12 Juli 1894, Nr. 79, S. 3, Online. Gemäss dem Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich stammt ein dokumentiertes Wohnhaus an der Hegibachstrasse 22 aus dem Jahre 1895, Grohmann scheint sich also in einer zum Abbruch bestimmten Liegenschaft oder auf einer Baubrache eingerichtet zu haben. []
  9. Der Grütlianer, 45. Jahrg., 21. Januar 1896, Nr. 8, S. 3. Online. []
  10. Ebda. []
  11. Forel, S. 1 []
  12. Ebda. []