Friedrich Kürschner

Friedrich Kürschner (auch Frederico Kürschner) aus Elberfelde (heute Wuppertal) war von 1896 bis 1902 Lehrer an der Handelsschule Aarau, einer Abteilung der Kantonschule.1 1902 lebte er in Locarno-Orselina. Ob er ausgewandert ist, wie er es vorhatte, ist nicht bekannt.

Ida Hofmann die Kürschner, der sich 1902 auch auf dem Monte Verità aufhielt, als “eine theoretisch hochgebildete echte Schulmeisternatur” bezeichnet, erwähnt, dass er für die Auswanderung nach Chile, dann wieder nach Mexiko oder Brasilien geworben habe.2

Zudem berichtet Ida Hofmann über einen Vortrag, den Günther Wagner auf dem Monte Verità gehalten hat: “[…] er wird von Professor Kürschner in gehässigster Weise angegriffen, doch gefasst und Achtung gebietend bleibt die Haltung des altersgrauen Redners, dessen abgeklärte Ueberzeugung gleichsam einen beglückenden Schimmer auf seine Erscheinung wirft.”3

Nachdem Kürschner in den 1890er Jahren eine Schnellkurzschrift entwickelt hatte, beschäftigte er sich um 1900 mit einer eigenen Weltsprache, die er Lingua Komun nannte.4

Ausserdem beschäftigte er sich mit einem System zum einfachen Erlernen von Sprachen.

Über seine Zusammenstellung 200 Englische Geschäftsbriefe und Formularien aus der Praxis urteilt der Leipziger Sprachlehrer Benno Buerdorff in Für die Schreibstube, die “Zeitschrift für den Bureaubeamtenstand zur Belehrung, zur Hebung der Bildung und des kollegialischen Lebens der Bureaubeamten, sowie zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen derselben” und “Organ der Bureaubeamten der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher in Berlin”:

200 Englische Geschäftsbriefe

Anzeige in “Für die Schreibstube”.

Mit ganz wenigen Ausnahmen enthält das Buch Originalbriefe aus dem Geschäftsleben der letzten’ Jahre. Auch der Inhalt der Briefe ist mustergiltig und lehrreich. Es sind theilweise Briefe, wie sie vom Ausländer nach den Ländern englischer Zunge gerichtet werden; denn diesem Verkehr soll die vorliegende Sammlung besonders gerecht werden. Anderntheils sind es von Nationalen nach dem Auslande gesandte Briefe. Der Stoff ist in drei Kreise geordnet, in denen die Briefe nach Häufigkeit des Vorkommens und Schwierigkeit des Geschäfts zusammengestellt geboten werden, und zwar innerhalb eines jeden Kreises in der natürlichen Reihenfolge, in der sich jedes Geschäft abwickelt. Der erste Kreis bringt in 10 Beispielen “die allernothwendigsten Briefe im Handel”, der zweite Kreis (Nr. 11—85), “die wichtigeren Briefe im Waaren- (Fabrikations- und Kommissions-), Bank- und Speditionsgeschäft”, der dritte Kreis bietet die “Ergänzung und Ausdehnung auf alle vorkommenden wesentlichen Fälle”. Man sieht, bei der vorliegenden Sammlung kann, wie bei keiner bisher erschienenen, der Lernende ruhig von Anfang bis zu Ende fortarbeiten, ohne nach Durchnahme eines Theiles die eine Art Briefe genau, eine andere Art noch garnicht zu kennen. Wer hier nur den kleinen ersten Kreis durchgearbeitet hat, besitzt eine geringe, aber doch abgerundete Kenntniß der englischen Handelskorrespondenz, die im zweiten Kreise bedeutend erweitert und vergrößert, im dritten Kreise für alle gewöhnlich vorkommenden Fälle ergänzt wird. Eingeleitet wird die Sammlung durch eine kurze “Einführung in die englische Handelskorrespondenz” und eine Uebersicht der in Betracht kommenden Maße und Gewichte. Den Schluß des Ganzen bilden “besondere Erläuterungen zu den einzelnen Briefen”.

Die Ausstattung des Werkchens ist hochmodern und macht einen schmucken Eindruck.

Hätte das Werkchen keine anderen Vorzüge, so würde es sich allein schon durch seine wohlthuende Kürze empfehlen, die ihm in den Kreisen der Lehrenden wie der Lernenden sicher bald viele Freunde einbringen wird.5

Weniger begeistert war dagegen der Autor, der mit D- sugnierte, in der Literarischen Beilage zur Schweizerischen Lehrerzeitung über Kürschners Englische Umgangs- und Geschäftssprache:

Die in diesem Lehrbuche angewendete Methode besteht aus einer nicht einwandfreinen [sic!] Zusammenstellung von leichterem Lesestoff mit wenigen Erläuterungen. Sie kann höchstens zu einem oberflächliehen [sic!] Ergebnis führen und ist für einen einigermassen gründlichen Unterricht durchaus nicht zu empfehlen.6

Ob sich Kürschner eine Zeitlang in der Obstbaugenossenschaft Heimgarten bei Bülach aufgehalten hat, ist unklar. Wobei der Erscheinungsort Heimgarten-Bülach seiner Schrift Deutsche Schnellkurzschrift Tachystenographie insofern Fragen aufwirft, als Genossenschaft 1913 nicht mehr existierte.

Veröffentlichungen

  • Deutsche Schnellkurzschrift, Elberfeld und Zürich, 1893.
  • Die Gemeinsprache der Kulturvölker “Lingua Komun” auf Grund der in allen Kulturprachen verbreiteten internationalen Wörter, Orselina sur Locarno, 1900.
  • Einführung in die französische Umgangs- und Geschäftssprache. Kurzgefasste praktische Anleitung, die französische Sprache rasch und gründlich zu erlernen. Von Professor Friedrich Kürschner in Orselina b. Locarno.
  • Deutsche Schnellkurzschrift Tachystenographie. Auf lautwissenschaftlicher Grundlage aufgebaut und ohne Veränderung auf alle Sprachen anwendbar! Nationales und Internationales Einigungssystem, Heimgarten-Bülach und Luzern 1913.
  1. Schweizerische Lehrerzeitung, 41. Jahrg., 29. Februar 1896, Nr. 9, S. 78-79 (Online). []
  2. Ida Hofmann, Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung, Lorch 1906, S. 39 (Online) und S. 41 (Online). []
  3. Ebda., S. 49, (Online). []
  4. Ihr ist in der umfassenden Darstellung Histoire de la langue universelle von L. Couturat und und Leau, Paris 1903, S. 480-483 ein ganzes Kapitel gewidmet. []
  5. Für die Schreibstube, 15. Jahrg., 4. Juli 1899, Nr. 19, S. 151 (Online). Vgl. Für die Schreibstube, 17. Jahrg., 16. April 1901, Nr. 14, S. 111 (Online). []
  6. Literarische Beilage zur Schweizerischen Lehrerzeitung, Januar 1904, Nr. 1 S. 4 (Online). []