Karl Wilhelm Diefenbach

Karl Wilhelm Diefenbach gilt als einer der bedeutendsten Vorkämpfer der Lebensreform, insbesondere der Ernährungsreform, der Kleiderreform und der Freikörperkultur.

Er wurde am 21. Februar 1851 in Hadamar bei Limburg an der Lahn als Sohn des Malers und Zeichenlehrers Leonard Diefenbach geboren, von dem er den ersten künstlerischen Unterricht erhielt.

1872 erhielt er in München eine Anstellung beim Hoffotografen Albert und war für die fotografischen Anstalt Hanfstaengl tätig. Im selben Jahr begann er das Kunststudium an der Akademie der bildenden Künste in München, das er aber bereits 1873 wegen einer Erkrankung an Typhus unterbrechen musste.1 Mehrere Operationen eines Geschwürs in der Achselhöhle führten zu dauernder Verkrüppelung seines rechten Arms. Die Nachwirkungen der Krankheit machten ihn zum Anhänger einer naturgemässen Lebensweise, die ihm damals viel Spott und Hohn eintrug.

1880 wurde der Sohn Helios geboren. Um 1881 wurde Diefenbach Mitglied der freireligiösen Gemeinde, pflegte erste Kontakte zu Eduard Baltzer, dem Begründer des Vegetarischen Vereins in Deutschland, und stand in Briefkontakt mit [[Arnold Rikli]], einem Vorkämpfer der Freikörperkultur und der Licht-Luft-Bäder.

1882 wurde er standesamtliche mit Magdalene Atzinger getraut. Im selben Jahr kam die Tochter Stella zur Welt.

1885 gründete Diefenbach die Lebensgemeinschaft „Humanitas“ im Steinbruch Höllriegelskreuth bei München. 1887 wurde Hugo Höppener, dem er den Namen Fidus gab, sein Schüler und Mitarbeiter. Gemeinsam entstand der 68 Meter lange Fries Per aspera ad astra. 1889 organisierte Fidus in München eine erfolgreiche Ausstellung seiner Werke in München. 1890 musste er den Steinbruch verlassen und erwarb ein Haus in Dorfen.

1892 zog Diefenbach Umzug nach Baden bei Wien. 1895 verlies er mit seiner Familie Wien und unternahm eine Wanderung durch die Alpen mit einem längeren Aufenthalt in Berghütten des Karwendel. 1896/97 unternahm er eine Reise nach Alexandria und hielt sich in Kairo auf, wo er sich mit Plänen für monumentale Tempel beschäftigt.

1897 gründete er die Landkommune „Himmelhof“ in Ober-St.-Veit. Zu seinen Jüngern gehörten damals [[Gusto Gräser ]]und Magnus Schwantje, Begründer der Tierschutzbewegung. Bereits 1899 machte die Kolonie bankrott und wurde zwangsgeräumt, Diefenbach selbst entmündigt. In der Folge bezog er mit seiner Familie die verlassene Festung Kresic in Triest.

Von 1900 bis 1913 lebt Diefenbach auf Capri und in Positano.

1902 liess er sich standesamtliche mit Wilhelmine Vogler trauen.

Am 15. Dezember 1913 starb Diefenbach auf Capri.

Werke

Ein Beitrag zur Geschichte der zeitgenössischen Kunstpflege. 2 Bde. Wien 1895. Online: Ein Beitrag zur Geschichte der zeitgenössischen Kunstpflege.

Literatur

Lieber sterben als meine Ideale verleugnen! Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913). München 2009. Katalogbuch mit Beiträgen von Claudia Wagner, Marina Schuster, Noemi Schmolik und Hermann Müller zur Ausstellung in der Villa Stuck in München vom 29. Oktober 2009 bis 31. Januar 2010.

Claudia Wagner: Der Künstler Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913) – Meister und Mission. Mit einem Werkkatalog aller bekannten Ölgemälde. Dissertation Freie Universität Berlin 2007. Online: Der Künstler Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913).

Hermann Müller (Hrsg.): Meister Diefenbachs Alpenwanderung. Ein Künstler und Kulturrebell im Karwendel 1895/1896. Recklinghausen.

H. P.: Karl Wilhelm Diefenbach. In: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Hrsg. von Ulrich Thieme. 9. Bd. 1913. S. 228.)

Links
Karl Wilhelm Diefenbach, Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia.
Karl Wilhelm Diefenbach auf der Gusto-Gräser-Website.
Meierei am Himmelhof

Dokumente

Karl Wilhelm Diefenbach, Fidus, Wiener Rundschau, 1898.

Zu Joseph Albert
Joseph Albert, Eintrag in der deutschen Wikipedia.

  1. 02800 Carl Diefenbach, Matrikelbuch 1841-1884, http://matrikel.adbk.de/05ordner/mb_1841-1884/jahr_1872/matrikel-02800. []