Zur Delogirung Diefenbach’s

Wie gemeldet, ist Samstag Nachmittags Diefenbach’s Colonie vom “Himmelhof” gerichtlich delogirt worden und nach dieser Amtshandlung in das Hotel Auhof übersiedelt. Dem “Meister” und seiner Jüngerschaar wurden im Ganzen drei Cabinete um 3 fl. eingeräumt. Der Eigenthümer, Herr Rebhan, erklärte jedoch gleich, daß er die Gesellschaft nur einige Tage unter Dach behalten könne, da er die Räume für die reisenden Gäste brauche, die mit den Zügen der Stadtbahn eintreffen. Da die Cabinette meist nur ein Bett besitzen, ist gewöhnlich ein Mitglied gezwungen, seine Lagerstätte auf dem Fußboden aufzuschlagen. Einiges Aufsehen machte bei der Ankunft Diefenbach’s im Hotel der Transport eines circa vier Monate alten Säuglings, der trotz der großen Kälte, von einem Mitgliede der Colonie in ganz nacktem Zustande auf den Armen durch Ober-St. Veit getragen wurde. Heute Vormittags begab sich der Meister, gestützt auf zwei weibliche Mitglieder, nach Hietzing, um mit seinem Curator Dr. Käser und dem Concursmassaverwalter Dr. Tugendhat über die weiteren Schritte zu berathen. In Angelegenheit des Concurses hat dieser Tage in der Diefenbach-Ausstellung in der Seilergasse die Schätzung der dort befindlichen Bilder stattgefunden. Diefenbach erklärt sich für activ und bezifferte den Werth der Bilder allein auf 50.000 fl., und zwar das Gemälde “Per astra ad astra” selbst auf 20.000 fl. Eine Messung desselben ergab eine Länge von 18 Metern.

Neues Wiener Journal, 7. Jahrg., 9. Januar 1899, Nr. 1873, S. 2 (Online).