Arnold Rikli,
der Begründer der atmosphärischen Kur.
(Von Th. Stern, Redaktor der „Gesundheit“.)
Im nördlichen Krain zwischen den zackigen Karawanken und den herrlichen Julischen Alpen mit ihrem König Triglav liegt ein wunderlieblicher kleiner See: Der Veldesersee, so genannt nach dem an seinen Ufern gelegenen Dorfe Veldes. Ein reizenderes Landschaftsbild läßt sich kaum denken, als dieser smaragdene See von anderthalb Stunden Umfang, mit seinem Kranz von Villen und Gärten, dem Schloßberg, einer senkrecht aufsteigenden Felswand, von deren Gipfel das romantische Schloß weit ins Land hinanegrüßt nnd der allerliebsten kleinen Insel, die mit einem Kirchlein gekrönt, mitten in seinen blaugrünen Fluten schwimmt. Hier ist es, wo A. Rikli, ein Berner von Geburt, und mit einer Baslerin aus angesehenem Hause verheiratet, sich als junger Mann vor zirka 50 Jahren niederließ und eine Kuranstalt für Leidende aller Art eröffnete, die er mit den von ihm entdeckten Luft- und Sonnenbädern in erfolgreichster Weise behandelte. Der jugendliche Mann von damals ist nun zum silberhaarigen Greis von bald 80 Jahren geworden, der aber innner noch rüstig seines Amtes waltet nnd es nun erleben darf, daß seine Lehren sich allmählich Bahn brechen und auch von der wissenschaftlichen Welt anerkannt werden.
Als junger Offizier machte A. Rikli 1845 den Freischaarenzug mit und erkrankte dabei, als er einmal in völlig durchnäßten Kleidern eine Nacht zubringen mußte, sehr schwer an Ruhr. Da ihm kein Arzt helfen konnte, nahm er, bereits aufgegeben, auf eigene Faust ein laues Sitzbad, worauf die Schmerzen sofort nachließen; er setzte die Bäder, bekannt mit den Schriften des Wasserarztes Dr. Munde, fort und war in wenigen Tagen hergestellt. Diese Erfahrung machte ihn zum begeisterten Wasserfreund. Später lernte er jedoch auch die Schädlichkeit der einseitigen Kaltwasseranwendungen am eigenen Leibe kennen, indem er in Kärnthen, wo er mit seinen Brüdern eine Fabrik betrieb, durch tägliches Baden in einem Gletscherbach sich hartnäckige Schlaflosigleit zuzog. Ein dortiger Arzt machte ihn auf das Unvernünftige dieser übertrieben kalten Bilder aufmerksam und brachte ihn durch warme Bäder allmählich wieder zu Kräften. So wurde Rikli das Gesetz des Gleichgewichts klar: daß warme mit kalten Anwendungen wechseln mußten. Als oberste Wärmequelle hatte er schon in seiner Jugend die Sonne erkannt nnd sie instinktiv zu Bädern verwandt, d. h. sich entblöst in die Sonne gelegt. Statt daher blos warme Wasser- und Dampfbäder – die an ihrem Ort sehr berechtigt sind – anzuwenden, fing er an, bei Erkrankungen seiner Fabrikarbeiter Sonnenbäder verordnen und erzielte damit ausgezeichnete Erfolge. Nachdem er sich so während sieben Jahren Erfahrungen gesammelt nnd schon eine große Praxis in seiner Umgebung hatte – die Fabrik beschäftigte allein 300 Arbeiter – bewarb er sich um die Konzession zur Gründung einer Anstalt und eröffnete im Jahre 1855 seine Sonnenkuranstalt in Veldes. Zehn Jahre später fügte er dann den Sonnenbädern die sogenannten (abkühlenden) Lichtluftbäder hinzu, die morgens früh genommen, das am besten entsprechende Gegengewicht gegen die intensive Sonnewärme bilden und, sobald einmal die erste Scheu überwunden war, zum beliebtesten Kurmittel in Veldes wurden.